GVW und Landwirte schließen wegweisende Kooperation für die nachhaltige Zukunft der Gasversorgung

Wunsiedel, 20.11.2025. Die GVW GmbH und fünf landwirtschaftliche Betriebe aus der Region bilden mit einer gemeinsamen Absichtserklärung das Biogas-Cluster Wunsiedel. Diese Kooperation ist eine Initiative der Stadt Wunsiedel, bei der die Partner auf die absehbaren Veränderungen im Biogassektor reagieren und ein klares Zeichen für Versorgungssicherheit, regionale Wertschöpfung und eine nachhaltige Energiezukunft setzen.

Aktuell erzeugen fünf Biogasanlagen in und um Wunsiedel Strom auf Basis des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Doch viele dieser Anlagen verlieren in den kommenden Jahren ihre Förderung. Bundesweit droht bis 2035 ein massiver Rückgang der Biogasanlagen. Ohne neue Geschäftsmodelle wären zahlreiche Betriebe in ihrer Existenz bedroht.

Erster Bürgermeister Nicolas Lahovnik hat deshalb nun alle nötigen Stakeholder zusammengebracht, um mit einer Clusterbildung genau bei dieser Herausforderung anzusetzen. Durch die Bündelung der Anlagen über eine gemeinsame Rohgasleitung, eine zentrale Aufbereitungsanlage und die Einspeisung von Biomethan in das bestehende Gasversorgungsnetz soll ein wirtschaftlich tragfähiges, zukunftsfestes Modell entstehen. Lahovnik betont: „Wunsiedel steht seit Jahren für einen klaren Weg in Richtung nachhaltige Energieversorgung. Das Biogas-Cluster fügt sich hervorragend in diese Strategie ein und stärkt gleichzeitig unsere regionale Landwirtschaft.“

Biogas-Cluster als Teil der Energielandschaft Wunsiedels

Das Biogas-Cluster verfolgt das Ziel, die bestehenden Biogasanlagen der Region in eine gemeinsame Infrastruktur einzubinden und damit langfristig zukunftsfähig zu machen. Kern des Konzepts ist eine Bündelung der Anlagen entlang einer gemeinsamen Rohgasleitung sowie eine zentrale Aufbereitung zu Biomethan. Dieses Biomethan, ein nachhaltiges, erneuerbares Gas, kann anschließend direkt in das bestehende Gasnetz der GVW eingespeist werden. Damit trägt das Cluster unmittelbar zur Dekarbonisierung und zur schrittweisen Substitution von fossilem Erdgas bei.

Durch die zentrale Aufbereitung entstehen technische und wirtschaftliche Vorteile, die einzelne Anlagen nicht leisten könnten: CO₂ kann separat abgeschieden und weiterverwertet, Abwärme lokal genutzt und zusätzliche Rohgaspotenziale können aus Wirtschaftsdüngern und Reststoffen erschlossen werden. Gleichzeitig sinken für die landwirtschaftlichen Betriebe die individuellen Investitions- und Betriebsrisiken, da Infrastruktur, Technik und Vermarktung gemeinsam geplant und getragen werden.

Für die GVW bedeutet das Projekt, den Anteil erneuerbarer Gase im Versorgungsnetz deutlich zu erhöhen und die regionale Energieversorgung resilienter zu machen. Denn Biomethan stärkt die Versorgungssicherheit, erhöht die regionale Wertschöpfung und macht das Gasnetz unabhängiger von volatilen Märkten.

Das Cluster versteht sich als Bestandteil der integrierten Energielandschaft Wunsiedels, in der die Sektoren Strom, Gas, Wärme und Digitalisierung gekoppelt sind. Mit ihrer vorhandenen Gasinfrastruktur und der langfristigen Energie-Strategie, dem Wunsiedler Weg Energie, bietet die Stadt Wunsiedel optimale Voraussetzungen. Produktion, Aufbereitung und Nutzung von Biomethan können vollständig lokal stattfinden, ohne zusätzliche Gasrückverdichtung und mit hoher regionaler Wertschöpfung.

„Energiezukunft entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen, nämlich gemeinsam, ehrlich und mit Mut“, sagt Christoph Niedermeier, Geschäftsführer der GVW. „Mit dem Biogas-Cluster schaffen wir eine Perspektive für bestehende Anlagen und stärken gleichzeitig die lokale Versorgung mit erneuerbaren Gasen."

Maßnahmenplan mit gesamtpolitischer Perspektive

Mit der unterzeichneten Absichtserklärung, dem sogenannten Letter of Intent, starten die beteiligten Partner nun eine Reihe von strukturierten Arbeitsschritten: Einer Machbarkeitsstudie zur Prüfung möglicher Förderungen folgt die technische und wirtschaftliche Ausarbeitung, die eine detaillierte Abwägung aller zur Verfügung stehenden Optionen abdeckt. Zuletzt müssen Entscheidungen über Standort, Technologie und Umsetzung getroffen werden, um die Grundlage für die nächste Projektphase zu legen. Gleichzeitig werden die politischen Entwicklungen rund um Grüngasquoten und die nationale Biogasstrategie beobachtet, um das Projekt langfristig in die energiepolitische Gesamtlandschaft einzubetten.

Niedermeier fasst zusammen: „Wir wollen zeigen, dass Biogas in Wunsiedel Zukunft hat: modern, effizient und regional. Dieses Cluster ist ein Vorreiter auf diesem Weg. Und Wunsiedel hat bereits in der Vergangenheit mehrmals gezeigt, dass es in dieser verantwortungsvollen Rolle des Innovators sehr gut ist.“